Medizinrecht bei OP Clip vergessen Konstanz

:: PRESSEMITTEILUNGEN ZUM THEMA "VERGESSENER CLIP" ::

Bild-Zeitung vom 17. Oktober 2006 – Vergessener Clip

ICH HATTE IMMER SO SCHLIMME SCHMERZEN BEIM SEX

Marl – Es ist die unglaubliche Geschichte einer hübschen Frau. Sie litt 11 Jahre lang unter höllischen Schmerzen. Keiner konnte ihr helfen, ahnte was von der vergessenen Klammer in ihrem Bauch… Am Anfang stand eine ganz harmlose Blinddarm-OP. Jenny K. (21) war im April 1996 gerade mal 11, als sie sich unters Messer legte. Alles lief glatt, dachten sie und die Ärzte. Aber das war wohl falsch… Sie zu BILD: „Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt. Ständig musste ich Medikamente schlucken. Doch die haben nicht geholfen. Wer denkt denn auch schon an eine Klammer im Unterleib. Nachts saß ich stundenlang auf dem Sofa, konnte mich vor Schmerzen kaum bewegen. Deshalb habe ich auch oft in der Schule gefehlt.“ Ihre fiesen Schmerzen waren ein Rätsel, ein normales Leben gab es für sie nicht, auch als sie zur Frau wurde: „Ich hatte große Schmerzen. Beim Sex mit meinem Freund habe ich immer geblutet. Das war nicht mehr schön, hat oftmals keinen Spaß gemacht.“ Als sie die Qualen nicht mehr aushielt, kam sie wieder in das selbe Krankenhaus. Die Schock-Diagnose nach Bauchspiegelung: Clip (0,9 Zentimeter) im Bauch! Das Metallteil sieht aus wie eine Schraube, wurde entfernt. Jenny K. ist erleichtert: „Jetzt kann ich wieder ungestört mit meinem Freund schlafen, habe keine Schmerzen mehr.“ Aber die Restaurant-Fachfrau ist auch empört, klagt gegen die Klinik, nahm sich einen Fachanwalt für Medizinrecht. Arzthaftungsexperte Stefan Hermann (40, Marl) sagte BILD: „Wir fordern 25 000 Euro Schmerzensgeld. Denn 11 Jahre sind eine sehr, sehr lange Leidenszeit.“

WAZ vom 7. Oktober 2006 – Vergessener Clip

CLIP MACHTE ZEHN JAHRE SCHMERZEN

Patientin wirft dem Krankenhaus vor, ihn bei der Operation vergessen zu haben


Zehn Jahre lang hatte eine Marlerin Schmerzen. Erst jetzt wurde die Ursache gefunden: Ein Clip, der bei einer Blinddarmoperation im Körper der damals 16-Jährigen zurück gelassen worden war.
Bei einem fünftägigen Krankenhausaufenthalt im April 1996 wurde der jungen Marlerin mit der neuen Operationsmethode durch nur einen kleinen Bauchschnitt der Appendix entfernt (laparoskopisch appendektioniert). Zunächst ging sie davon aus, dass die Operation gelungen war. In den nachfolgenden Jahren, insbesondere ab Anfang 2003 litt sie jedoch unter extrem starken Schmerzen und Entzündungen des Unterleibs und musste ständig durch ihre Gynäkologin betreut werden.
Als die Schmerzen unerträglich geworden waren, ging sie auf Anraten ihrer Ärztin erneut ins Krankenhaus. Anfang März 2003 fand man bei einer Bauchspiegelung einen Clip im Bereich der früheren Operation und entnahm ihn.
Für die mittlerweile 21-Jährige war damit zwar die Ursache für die Schmerzen beseitigt, doch nicht der Fall erledigt. Inzwischen hat sich der Marler Rechtsanwalt Stefan Hermann, Spezialist für Arzthaftungsrecht, der Sache angenommen und die Paracelsus-Klinik verklagt – unter anderem auf 25000 Euro Schmerzensgeld.
Er hat auch den Leidensweg seiner Mandantin aufgezeichnet- So hatte die Frauenärztin zunächst entweder eine Entzündung der Eierstöcke oder des Unterleibes und Zysten diagnostiziert und daraufhin Antibiotika verschrieben. Während der Ausbildung habe sie öfters wegen der Schmerzen gefehlt, in der Schule verpasste sie öfters Stoff und hatte Schwierigkeiten, den Anschluss zu halten. Ende Januar 2006 wurde die Frau wieder ins Krankenhaus überwiesen um die Ursache für die starken Schmerzen und die wiederkehrenden Entzündungen abzuklären. Doch eine Laparoskopie sei damals nicht vorgenommen worden, beklagt sich Rechtsanwalt Hermann, lediglich sei fälschlicherweise „akute Adnexitis“ diagnostiziert worden. Dann wurde die Patientin entlassen. Erst auf den ausdrücklichen Wunsch nach einer Bauchspiegelung sei diese erfolgt – und der Clip gefunden worden. Der Verwaltungsdirektor der Paracelsus-Klinik, Manfred Kipp, gab keine Stellungnahme ab. Um den Fall wird sich die Versicherung kümmern.

Marler Zeitung vom 6. Oktober 2006 – Vergessener Clip

VERGAßEN ÄRZTE CLIP BEI BLINDDARM-OPERATION?

RECHT: Anwalt verklagt Paracelsus-Klinik auf Schmerzensgeld


Drei Jahre litt eine junge Restaurantfachfrau (21) aus Marl unter schlimmen Schmerzen im Unterleib.

Ihre Ärztin vermutetet erst Entzündungen als Ursache, riet dann aber, als die Schmerzen unerträglich wurden, zu einer Bauchspiegelung. Dabei wurde ein Clip entdeckt. Ärzte der Paracelsus-Klinik hatten ihn vor zehn Jahren bei einer Blinddarmoperation offenbar vergessen.
So stellt es Rechtsanwalt Stefan Hermann dar, der das Krankenhaus nun auf 25000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Im April 1996 wurde der Blinddarm entfernt. Zunächst ging die Familie davon aus, dass die Operation gelungen war. Doch nach und nach traten Schmerzen auf, die in den letzten Jahren immer schlimmer wurden - vor allem dann, wenn die Marlerin viel arbeitete. Ende Januar dieses Jahres wurde sie erstmals zur Paracelsus-Klinik überwiesen. Damals wurde noch keine Bauchspiegelung vorgenommen. Die – aus Sicht Hermanns fehlerhafte – Diagnose lautete auf akute Entzündung der Eierstöcke und der Eileiter. Behandlungen mit Antibiotika brachten keine Besserung – und so wurde die junge Frau im März wieder in die Klinik eingewiesen. Auf Empfehlung ihrer Ärztin wünschte sie diesmal eine Bauchspiegelung. Dabei wurde der Clip gefunden und entnommen. Nach Meinung Hermanns begingen die Chirurgen gleich mehrere Behandlungsfehler. Seine Mandantin sei nicht aufgeklärt worden, dass ein Clip zurück bleiben könnte. Sonst wäre der Clip viel früher entdeckt worden. Das Zurücklassen des Clips oder zumindest seine Befestigung war fehlerhaft und führte zu den Schmerzen. Und bei der Kontrolluntersuchung wurde keine Bauchspiegelung vorgenommen. Durch die Schmerzen hatte seine Mandantin während Schule und Ausbildung Fehlzeiten und Probleme, Anschluss zu halten. Ein Intimleben sei fast ausgeschlossen gewesen. Manfred Kipp, Verwaltungschef der Paracelsus-Klinik, gibt keine Stellungnahme ab: Die Vorwürfe gegen die Ärzte könnten nicht sofort geklärt werden, da die Paracelsus-Klinik seit Anfang des Jahrzehnts keine allgemeine Chirurgie mehr habe. Die Schmerzensgeldklage werde an den Versicherungsverband für Gemeinden weitergeleitet.

 

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Stefan HERMANN
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